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Martin Luther - 500 Jahre Reformation - Was geht's mich an?

In diesem Jahr feiern wir zum 500. Mal den Reformationstag.

500 Jahre. Mann, was für eine lange Zeit. Aus Anlass eines solchen Jubiläums konnte man gar nicht anders: Ein solches Ereignis muss groß gefeiert werden. So wurde vieles auf verschiedenen Ebenen vorbereitet, um diesem Reformationsjubiläum seine nötige Würde zu verleihen. Viele Menschen gaben ihre kreativen Gedanken ein, planten Volksfeste zum Thema Luther und die Reformation, Ausstellungen wurden initiiert und das ganze wurde von der Bundesregierung mit mehreren Millionen Euros unterstützt. Zurecht wie ich finde, denn ich persönlich glaube, dass die Reformation ein ganz wichtiger Meilenstein für unser Deutschland, für Europa und für die ganze Welt war. Das muss gefördert werden. Aber dies ist nur meine persönliche Meinung.Das Resümee des Reformationsjubiläums ist bislang ernüchternd.

Vor allem der Kirchentag zum Reformationsjubiläum, der in Berlin stattfand und die sog. „Kirchentage auf dem Weg“, die in verschiedenen Städten im Osten Deutschlands stattfanden, blieben hinter den Erwartungen zurück. Insgesamt zählte man eine Besucheranzahl von 50.000 Personen. Und auch die Veranstaltungen, die Volksfesten glichen, waren eher dürftig besucht. So mancher Veranstalter wunderte sich, warum der Andrang nicht größer war. Die FAZ veröffentlichte im Juli 2017 einen Bericht über das Reformationsjubiläum und sprach davon, dass „Luther die Pleite des Jahres“ wäre. Und so könnte man weiter machen, Überlegungen anstellen, warum Luther nicht populärer ist, warum sich die Medien mehr mit den Schattenseiten Luthers beschäftigt und diese breit publiziert haben. Den Kern der Reformation legten sie fast gar nicht dar. Sicher muss über Schattenseiten gesprochen werden. Die Ausdrucksweise Luthers gegenüber Frauen, seine antisemitische Haltung, seine Haltung zu den Bauernkriegen usw. all das wäre gut in einem Forum mit ihm mal selber zu besprechen und ihn zu fragen, was ihn bewogen hat, in dem einen und anderen so zu denken. Das Problem hierbei ist nur: Luther lebt nicht mehr, kann sich nicht erklären und somit auch nicht rechtfertigen oder gar entschuldigen.

Offenbar bleibt es dabei: Wer Reformation feiert, der muss den Kern der Reformation feiern. Der muss verstehen, was Luther meinte, welche Entdeckungen er machte. Wer diesen Kern nicht verstanden hat, der bleibt dann bei den Nebenschauplätzen eines Luthers stehen, die ja auch zugegebenermaßen, mehr Schlagzeilen bieten, die die Öffentlichkeit interessieren. Als Luther 1517 in einem Turm saß, den Römerbrief las, entdeckte er eine Schriftstelle, die er schon so oft gelesen, aber in seinem Wesen nicht verstanden hatte: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ Römerbrief 1,17

Jetzt müssen wir Luther in seiner Zeit verstehen und als jemanden, der Christ war und Gott Ernst nahm. Luther glaubte an ein Gericht Gottes. Er wusste, dass dieses Leben hier auf Erden niemals alles sei und glaubte daran, dass Gott in Form eines Richters von jedem Menschen Rechenschaft fordern wird. Und dieser Gedanke war in der damaligen Zeit mit Angst verbunden: Angst, dass Gott einen Menschen nicht annimmt, Angst, dass man bestraft wird für seine bösen Taten, Angst davor, dass man in die Hölle kommt. Von diesem Gedanken aus war es fast schon verständlich, dass das christliche Leben einem Krampf statt einem fröhlichen Dasein glich.

Gott sprach im Jahre 1517 ganz neu zu einer Menschheit, die in Angst vor Gott fast verging und sich nicht auf Gott freute, bzw. in einer persönlichen Liebesbeziehung mit Gott lebte. Gott machte diesem „Mönchlein“ deutlich: „Du musst keine guten Werke tun, um mir zu gefallen. Du musst kein Geld bezahlen, damit deine Seele erlöst ist. Du musst dich nicht selbst schlagen, irgendwelche Pilgerfahrten machen oder zu Maria beten. – Du bist gerettet allein durch den Glauben an Jesus Christus, der für deine Sünden am Kreuz starb.“

Das schlug ein wie ein Bombe. Und ich könnte mir vorstellen, dass hier auch der Grund darin liegt, warum die Veranstaltungen des Reformationsjubiläums schlecht besucht waren. Warum dieses Jubiläum nur 50.000 Menschen anzieht und nicht 5 Millionen oder gar die gesamte Bevölkerung Deutschlands. Die Wiederentdeckung von elementarem Glaubensgut fand damals im großen Umfang statt. So ganz war dieser Glaube an den gekreuzigten Christus, dessen Tod uns erlöst und uns in den Himmel zu Gott bringt, nie ganz ausgelöscht. Es gab immer, auch vor Luther, ein paar Tapfere. Aber der ganz große Durchbruch geschah dann eben mit Luther.

Die Welt-N24-Nachrichtenplattform schrieb interessante Sätze zu dieser Thematik: „Luthers theologischer Antrieb war die Angst vor der Höllenstrafe. Für die meisten Christen in Europa ist dies unplausibel. Wer diese Angst nicht teilt, hat wenig Grund zur Begeisterung für Luthers zentrale Entdeckung, die Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben an Gottes Gnade im Heilswerk Christi. Wofür Rechtfertigung, wenn es gar kein Höllenfeuer gibt….“

Wie recht der Schreiber dieses Artikels doch hat. Warum sollte ich etwas feiern, dessen Kernbotschaft mich nicht die Bohne interessiert. Warum soll ich einen Jesus, einen Kreuzestod, eine Auferstehung, eine Vergebung der Sünden bejubeln, wenn ich tief davon überzeugt bin, dass ich gar kein Sünder bin, sondern ein ganz guter Mensch. Luther wusste, dass er ein Sünder ist. Die Tatsache, dass er das Heil Gottes so stark suchte, macht deutlich, dass Luthers persönlicher Fehlerkatalog so groß war, dass er unbedingt Vergebung brauchte. Diese fand er im Opfertod von Jesus Christus. Eigentlich komisch, sich jetzt noch über seine Schattenseiten zu unterhalten…

Wie sieht es nun bei uns aus? Was bedeutet dir die Reformation?

Ich wünsche dir, dass du den Kern dieses Festes für dich erkennst und festmachst. Ich und du, wir sind schuldig. Wir sind vor Gott schuldig. Gott ist in sich absolut heilig. Kein Fehler ist in ihm. Wir, Gott und Mensch, passen also nicht wirklich zueinander. Jesus Christus hat einmal gesagt „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater (Gott) als nur durch mich.“ Joh.14,6  Jesus Christus stellte sich zur Verfügung, um deine und meine Strafe, die wir für unsere Schuld verdient hätten, an sich zu vollziehen. Deshalb stirbt er den Tod, den wir verdient hätten. Gott sei Dank, am dritten Tag steht er wieder auf und besiegt damit den Tod.

Das ist der Kern der Reformation: Du kannst ohne Geld bezahlen zu müssen, ohne Angst vor der Hölle zu haben, ohne ständiges schlechtes Gewissen haben zu müssen, eine persönliche Liebesbeziehung zu Gott, den Vater, bekommen, durch den Gekreuzigten und Auferstandenen Jesus Christus. Wer diesen Startpunkt in seinem Leben vollzogen hat, der kann bezeugen: Das Leben mit Gott ist so gut. Es werden mir nicht alle Probleme abgenommen, aber ER ist da. Gott ist in meinem Leben gegenwärtig. Er liebt mich, er versorgt mich, er führt mich und gibt mir eine Hoffnung über den Tod hinaus. Gott segne dich beim Entdecken und Erleben des Reformationsfestes.

Pastor Benjamin Gies